Sonntag, 7. Oktober 2007

Der Kunde ist König

Neulich war ich in Deodurg in einem Geschäft, um mir zwei lange Hosen zu kaufen (ich habe nämlich nur eine mitgenommen, und meine drei kurzen Hosen liegen jetzt blöd im Zimmer rum. Wer ahnt denn, dass in einem Land, in dem es im Sommer 45 Grad sind, keine kurzen hosen getragen werden!). Dort hat mich ein Mann angesprochen, der sich nicht nur als Besitzer des Ladens, sondern auch als Besitzer des Landes, auf dem der Samuha Campus steht, herausstellte. Er lud mich zu sich nach Hause ein, wir setzten uns in sein Gästehäuschen. Seine Frau brachte Upma und Casery Bath (Essen), er stellte mir nacheinander seine Töchter vor, danach brachte seine Frau Tee. Er bot mir 500 Rupien für eine Euromünze (Der tatsächliche Umrhnungskurs ist 1€ : 55 Rupien), sein Sohn sammle nämlich ausländisches Geld. Anschließend führte er mich durch sein ganzes Haus. Obwohl das Haus von aussen nicht unbedingt besonders aussah, und an einer engen, schmutzigen Straße stand, wurde deutlich, dass er nicht gerade zur Unterschicht gehörte. Das Haus voller Möbel, im zweiten Stock ein Riesiges zweites Gästezimmer, im Hof ein Auto, ein Jeep und eine Kuh. Er stellte mir seinen Schwiegersohn und dessen Freunde vor, seinen Enkel und seinen Vater auch, und sagte, ich solle am nächsten Tag wieder kommen, damit er mich mit seinem Jeep durch die Gegend fahren und mir den Fluss zeigen könne. Der Kunde ist in diesem Land ja wirklich König, dachte ich, und dabei hatte ich doch nur zwei Hosen gekauft!
Als ich mich nach über einer Stunde endlich verabschieden durfte, mit dem Versprechen, am nächsten Tag wieder zu kommen, erklärte mir mein Chef auf dem Campus, dass dieser Mensch von den Großgrundbesitzern der ehemaligen feudalen Strukturen in Indien abstamme, ein gerissener Geschäftsmann sei, und absolut niemandem etwas schenken wolle. Ich bin am nächsten Tag lieber zu Hause geblieben, anstatt dubiose Geldwechselgeschäfte zu machen, und mich durch die Gegend kutschieren zu lassen.

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