Montag, 8. Oktober 2007

Essen

Ja, das Essen. Es waren ja hohe Erwartungen an das Essen gestellt worden. Um es kurz zu machen: Es ist scharf, aber nicht zu scharf, es gibt zweimal am Tag das gleiche Gericht, nur etwas variiert, und es ist komplett vegetarisch.
Der Tag beginnt mit Reis, fast hätte man es sich denken können, vermutlich hätte man aber nicht dran geglaubt. Immerhin ist der Reis gewürzt, zum Beispiel mit Zimt, Nelken, Curryblättern, Rosinen, eigentlich toll, nur vielleicht nicht gleich zum Früstück. Manchmal gibt es auch grob gemahlenes Getreide, dass gekocht wurde (und natürlich gewürtzt), und einen grobkörnigen Brei ergibt. Auch nicht schlecht.
Mittag- und Abendessen folgen nun immer dem gleichen Schema. Zuerst Roti bzw. Chapatti mit Chutney, danach Reis mit Curr (so ähnlich wird es zumindest ausgesprochen, wie Curry nur halt ohne y am ende).
Roti und Chapatti sind sowas ähnliches wie Pfannkuchen, nur, dass sie nur aus Mehl und Wasser bestehen, und ohne Fett in der Pfanne gebacken werden. Curr ist eine recht scharfe rote Suppe, mit der der Reis vermischt wird.
Es wird alles mit der Hand gegessen, und natürlich stets mit der rechten. Sogar der Reis, und das ist gar nicht so einfach. Man ordne Zeige- bis Kleinen Finger so an, dass man mit dem Daumen alle anderen Fingerspitzen auf einmal berühren kann (wie die Italiener wenn sie laut “Mamma Mia!” rufen, nur die Hand andersherum gehalten). Mit dem Daumen drückt man den Reis nun an die anderen Finger heran, sodass er zusammenbappt und sich langsam ein kleiner Klumpen in den Fingern bildet. Die Hand wird gedreht, sodass unser Reisklumpen nun auf dem Mittel-, Ring und Kleinen Finger wie auf einer Schanze liegt, die Finger werden an den Mund geführt, und das Klümpchen mit dem Daumen hineingekickt.

Das eigentlich interessante Essen ist aber das Chutney, das quasi ein Gemüseeintopf ist, nur, dass Gemüse praktisch die einzige Zutat ist, die nicht ausschließlich der Geschmacksbildung dient. Man hat also in grobe Stücke geschnittenes Gemüse, Linsen oder Bohnen, gekocht, und mit etlichen Gewürzen ect. zu einem Gemüsetopf verarbeitet. Es gibt dabei so viele Variationen, dass ich mich nach meinem ersten Monat in Indien nicht erinnern kann, ein Chutney zwemal gegessen zu haben, und jedes einzelne, hat einfach wahnsinnig geschmeckt. Dabei scheinen diese Gemüsebomben eher etwas ländliches, eher Hausmannskost zu sein. Das Chutney in den Großstädten wie Bangalore ist nämlich fast flüssig und hat eher Soßencharakter.

Ich hatte im Übrigen keinerlei Probleme, mich an das Essen hier zu “gewöhnen”, wenngleich ich gestehen muss, unregelmäßig präventiv ein paar Kapseln genommen zu haben… Hat jedenfalls bestens funktioniert!

Jedenfalls, um zum Essen zurückzukommen, reisst man sich einen Fetzen von seinem Chapatti ab, nimmt damit ein Wenig Chutney auf, rollt es mit geschickten Fingern in der Hand zu einem kleinen Röllchen, und isst es.
Letzte Woche gab es tatsächlich Huhn gegessen! Um ehrlich zu sein war es das erste, was mir hier nicht geschmeckt hat. Das Huhn war in einem Chutney drin, verkocht, und darüber hinaus waren die einzelnen Stückchen nicht von den Knochen getrennt, sodass man ständig dabei war, kleine Knöchelchen auf dem Teller abzulegen.
Rind wird hier ja sowieso nicht gegessen, und Schwein auch nicht, weil das für die Muslime heilig ist. Fleisch ist hier eher nicht angesagt.
Das Essen wird in der Küche auf dem Kampus von zwei Frauen über offenem Feuer zubereitet, und steht dann auf der übredachten Terasse vor der Küche in großen Metalltrogen bereit. Es ist ganz angenehm, das Essen außerhalb der Stadt zu haben. In Bangalore habe ich eigentlich immer auf dem Weg zum Restaurant wegen der Abgase und des Drecks den Appetit verloren.

Es gibt hier auch eine ganze Reihe von Snacks, meistens frittierten Kleinigkeiten. Zum Beispiel in Kichererbsenmehl gewälzte grüne Peperoni. Durch das Frittieren bläht sich das Mehl zu einem dicken Mantel um die Peperoni auf, der der abgeknabbert werden kann – ganz hartgesottene essen einfach die Peperoni mit. Weiterhin gibts noch eine Art Puffreis, geröstete Erdnüsse oder Kichererbsen und viele andere kleine Knuspereien, die ich nicht identifizieren kann.
Neulich habe ich mit zwei anderen geschlagene zwanzig Minuten in einer Bäckerei verbracht und Teil nach dem anderen probiert. Blätterteigbrötchen mit Cocossträuseln oder mit Ei, Sandwiches mit seltsamen bunten Streifen von Irgendetwas, Cream buns, und und und.

Um genau zu sein beginnt der Tag schon vor dem Frühstück mit einem Chai-Tea (Obgleich ich zugeben muss, dass ich den ersten Chai am Morgen auch gerne mal zugunsten einer halben Stunde zusätzlichen Schlafs auslasse). Chai Tee ist Tee mit viel viel Milch und noch mehr Zucker, der so viel Energie gibt, dass Dextro überlegen sollte, ihn in Deutschland zu vertreiben. Man nimmt ihn in kleinen Metallbecherchen, die nur etwas größer als Schnapsgläschen sind, und im Schnitt fünf mal am Tag.
Die kleinen Zwischenschübe von Energie sind auch absolut notwendig und retten mich über den Tag. Man kann nämlich sehr hungrig werden, wenn es Mittagessen um eins, Abendessen aber erst um halb neun gibt!

1 Kommentar:

B.L.A Mayer hat gesagt…

moin kleiner..
Wie isses?
Ich schätz mal du kriegts kein double
enlgish breakfast jeden morgen....und kein fish&chips 2mal in der woche??;););):D:D:D
Naja bei mir ist alles im grünen bereich und ich wünsch dir was....
Alles gute,
Ben