Bangalore war eine kurze, aber trotzdem Intensive Zeit. Ich war in der Millionenstadt nur vier Tage, bis ich nach Deodurg, was ca 450 km noerdlich liegt, gefahren bin.
Bangalore ist, wie man sich eine Entwicklungsland-Grossstadt nur vorstellen kann. Es ist laut, es ist voll, es stinkt. Die Eindruecke Prasseln nur so auf einen ein, sodass man sich kaum retten kann. Gleichzeitig ist es, trotz des vielen Betons, unheimlich bunt; die Inder haben eine uebertriebene Schwaeche fuer leuchtende Farben. Alles moegliche ist angemalt. Busse sind bunt, Haeuser gerne mal blau angestrichen. Alle Autorikshaws (diese motorisierten Dreiraeder, die man auch aus Italien kennt) sind knallgelb und die verschiedenen Gewaender, die die Frauen tragen, begegnen einem in allen erdenklichen Farben, mit meistens sehr schoenen Mustern. Die Haeuser sind zugeballert mit Reklameschildern, vor allem in der Innenstadt, wo das Tosen am lautesten ist.
Es gibt einen Haufen sonderbarer Dinge hier. Kuehe stehen mitten auf den loechrigen Gehwegen rum, man sieht Autos, die man zuletzt in Schwarz-Weiss-Filmen gesehen hat. Kleine geschaefte, in denen Mehl gemahlen wird, mit altertuemlichen Maschinen, die an Charly Chaplin erinnern. Ploetztlich steht, mitten zwischen beton und Wellblech ein bunter, reich verzierter Tempel, aus kunstvoll geschnitztem Holz mit kleinen Elefantenfiguren drauf. An einer Riesenkreuzung steht ein gruener Metallkontainer mit einem Schuhputzer drin. Grosse Geschaeftsketten sieht man eigentlich nur direkt im Zentrum, Wo es Puma und Nike shops gibt, doch sonst sieht man viele viele kleine Geschaefte fuer alles Moegliche, Mehl, Palmwedel, Fruechte, Essen, Tee, Saft, alles Moegliche, aber dann auch wieder nicht alles. Das Angebot ist am Ende ein beschraenktes, sich staendig wiederholendes.
In keinem, noch so kurzen, Bericht ueber Bangalore darf natuerlich der Verkehr vergessen werden. Ich musste ja schon immer schmunzeln, wenn Mama sich in Hamburg ueber meinen Fahrstil beschwert hat, doch nie mit einer solchen Fundiertheit, wie als ich hinten auf dem Motorrad durch die Strassen von Bangalore geraftet wurde.
Fahrbahnmarkierungen gibt es schon mal kaum welche, ganz gleich, wie breit die Strasse ist, und selbst wenn man mal etwas blassweiss auf der Fahrbahn erkennen kann, ist es herzlich Bedeutungslos. Ueberall wird staendig gehupt, denn das Hupen ersetzt Verkehrsregeln und Rueckspiegel. Beim Einfahren in eine andere Strasse, beimUeberholen, wenn die Ampel auf Gruen umspringt, einfach mal so, zum nicht ganz geradeaus fahrenden Nebenmann, besonders, wenn der kein Motorrad bewegt, es wird staendig gehupt. Das Fahren ist ein staendiges ausweichen, ein Bremsen, Beschleungen, die freie Gasse finden. Die Inder sind, in ihrer staendigen Gelassenheit und Ruhe, davon ziemlich unbekuemmert, fahren nachts auch gerne mal ohne Helm und Licht. Ueber allem haengt an einer Ampel etwas einsam ein Schild mit der Aufschrift “Follow Traffic Rules”.
In diesem ganzen Chaos und der scheinbaren Eile ist jeder einzelne aber erstaunlich langsam, ruhig, gelassen. Sieht man sich die einzelnen Menschen an, wie sie so langsam ueber die Buergersteige streichen, an den Garkuechen stehen, einen Chai-Tee trinken, gelassen essen, kann man sich kaum erklaeren, wie aus so vielen Ruhen so eine Hektik entstehen kann. Die Inder sind sowieso seltsame Menschen. Sie reden unglaublich leise und dazu noch in einem meist unverstaendlichen Englisch. Sie sind, wie gesagt, ganz gemaechlich und immer zu spaet. Ein Meeting, das fuer elf Uhr angesetzt ist, beginnt fruehestens um halb zwoelf. Aber zu all dem spaeter mehr.
Dies ist also ein kurzer Blick auf Bangalore, der natuerlich kaum ausreicht. Viel wichtiger ist aber Deodurg, die kleine Stadt, in die ich am Montag nach meiner Ankunft in Bangalore gefahren bin, und wo ich bleibe.
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